{"id":157,"date":"2018-06-22T12:43:28","date_gmt":"2018-06-22T10:43:28","guid":{"rendered":"http:\/\/slowmusic.eu\/yoga-und-klavierspiel\/"},"modified":"2019-11-27T00:10:40","modified_gmt":"2019-11-26T23:10:40","slug":"yoga-und-klaviertechnik","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/slowmusic.eu\/en\/yoga-und-klaviertechnik\/","title":{"rendered":"Yoga und Klaviertechnik"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8221;1&#8243; _builder_version=&#8221;3.22&#8243; background_color=&#8221;rgba(255,255,255,0.4)&#8221; custom_padding=&#8221;0|0px|0|0px|false|false&#8221;][et_pb_row column_structure=&#8221;2_3,1_3&#8243; module_class=&#8221; et_pb_row_fullwidth&#8221; _builder_version=&#8221;3.25&#8243; width=&#8221;89%&#8221; width_tablet=&#8221;80%&#8221; width_phone=&#8221;&#8221; width_last_edited=&#8221;on|desktop&#8221; max_width=&#8221;89%&#8221; max_width_tablet=&#8221;80%&#8221; max_width_phone=&#8221;&#8221; max_width_last_edited=&#8221;on|desktop&#8221; custom_padding=&#8221;40px|0px|0|0px|false|false&#8221; make_fullwidth=&#8221;on&#8221;][et_pb_column type=&#8221;2_3&#8243; _builder_version=&#8221;3.25&#8243; custom_padding=&#8221;|||&#8221; custom_padding__hover=&#8221;|||&#8221;][et_pb_text _builder_version=&#8221;3.27.4&#8243;]<\/p>\n<h1>Yoga and Piano Technique<\/h1>\n<h3>by Filippo Faes<\/h3>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8221;1_3&#8243; _builder_version=&#8221;3.25&#8243; custom_padding=&#8221;|||&#8221; custom_padding__hover=&#8221;|||&#8221;][et_pb_image src=&#8221;https:\/\/slowmusic.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Logo_FF.png&#8221; align=&#8221;right&#8221; align_tablet=&#8221;center&#8221; align_phone=&#8221;&#8221; align_last_edited=&#8221;on|desktop&#8221; _builder_version=&#8221;3.23&#8243;][\/et_pb_image][\/et_pb_column][\/et_pb_row][et_pb_row module_class=&#8221; et_pb_row_fullwidth&#8221; _builder_version=&#8221;3.25&#8243; width=&#8221;89%&#8221; width_tablet=&#8221;80%&#8221; width_phone=&#8221;&#8221; width_last_edited=&#8221;on|desktop&#8221; max_width=&#8221;89%&#8221; max_width_tablet=&#8221;80%&#8221; max_width_phone=&#8221;&#8221; max_width_last_edited=&#8221;on|desktop&#8221; custom_padding=&#8221;2px|0px|23px|0px|false|false&#8221; make_fullwidth=&#8221;on&#8221;][et_pb_column type=&#8221;4_4&#8243; _builder_version=&#8221;3.25&#8243; custom_padding=&#8221;|||&#8221; custom_padding__hover=&#8221;|||&#8221;][et_pb_testimonial author=&#8221;Martha Graham&#8221; portrait_width=&#8221;1px&#8221; portrait_height=&#8221;1&#8243; _builder_version=&#8221;3.8&#8243; body_font=&#8221;||||||||&#8221; body_font_size=&#8221;20px&#8221;]\u201eDa ist eine Lebenskraft, eine Energie, ein Impuls, die durch dich in Aktion umgewandelt wird, und weil du einzigartig in der Menschheitsgeschichte und in allen Zeitaltern bist, wird dieser Ausdruck ebenso einzigartig und unnachahmlich sein. Wenn du ihn zur\u00fcckh\u00e4ltst, wird er durch niemanden anderes existieren k\u00f6nnen und f\u00fcr alle Zeit verloren sein. Er w\u00fcrde der Welt vorenthalten. Es ist weder deine Aufgabe, zu beurteilen, wie gut er ist oder wie viel er wert ist, noch, ihn mit dem von anderen zu vergleichen. Deine Aufgabe ist, ihn zu bewahren, ihn deutlich und unmittelbar zu \u00e4u\u00dfern; den \u201eKanal\u201c offen zu halten.\u201c<br \/>\n[\/et_pb_testimonial][\/et_pb_column][\/et_pb_row][et_pb_row module_class=&#8221; et_pb_row_fullwidth&#8221; _builder_version=&#8221;3.25&#8243; width=&#8221;89%&#8221; width_tablet=&#8221;80%&#8221; width_phone=&#8221;&#8221; width_last_edited=&#8221;on|desktop&#8221; max_width=&#8221;89%&#8221; max_width_tablet=&#8221;80%&#8221; max_width_phone=&#8221;&#8221; max_width_last_edited=&#8221;on|desktop&#8221; custom_padding=&#8221;0|0px|0|0px|false|false&#8221; make_fullwidth=&#8221;on&#8221;][et_pb_column type=&#8221;4_4&#8243; _builder_version=&#8221;3.25&#8243; custom_padding=&#8221;|||&#8221; custom_padding__hover=&#8221;|||&#8221;][et_pb_text _builder_version=&#8221;3.27.4&#8243;]<\/p>\n<h2>Einleitung<\/h2>\n<h3>Die M\u00f6glichkeiten unseres Lebens ausleben<\/h3>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][et_pb_row module_class=&#8221; et_pb_row_fullwidth&#8221; _builder_version=&#8221;3.25&#8243; width=&#8221;89%&#8221; width_tablet=&#8221;80%&#8221; width_phone=&#8221;&#8221; width_last_edited=&#8221;on|desktop&#8221; max_width=&#8221;89%&#8221; max_width_tablet=&#8221;80%&#8221; max_width_phone=&#8221;&#8221; max_width_last_edited=&#8221;on|desktop&#8221; make_fullwidth=&#8221;on&#8221;][et_pb_column type=&#8221;4_4&#8243; _builder_version=&#8221;3.25&#8243; custom_padding=&#8221;|||&#8221; custom_padding__hover=&#8221;|||&#8221;][et_pb_text _builder_version=&#8221;3.27.4&#8243; text_font=&#8221;||||||||&#8221; text_font_size=&#8221;18px&#8221;]<\/p>\n<p class=\"align-justify\">\u00c4hnlich wie in einem K\u00f6nigspalast, besitzt der Palast unseres Daseins in unserer Kindheit eine unendliche Anzahl von R\u00e4umen. Es sind die R\u00e4ume unserer M\u00f6glichkeiten, unserer tausend Begabungen, sie sind das Ausma\u00df von uns selbst, das nur darauf wartet, erforscht zu werden, in die Praxis umgesetzt zu werden und in eine Handlung \u00fcberf\u00fchrt zu werden, um dann weiter zu expandieren. Sie sind die erstaunliche Formbarkeit, die unser Gehirn besitzt und mit dem wir uns unsere Zukunft gestalten, die Gelegenheiten, die sich uns immerfort bieten und sich kontinuierlich erneuern.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Die R\u00e4ume unserer Kindheit sind gr\u00f6\u00dftenteils noch leer, unbestimmt, noch nicht von unseren Erfahrungen \u201eausgestattet\u201c: Sie beginnen gerade, die Pr\u00e4gung unserer Gegenwart, unserer Pers\u00f6nlichkeit und der eigenen Lebenserfahrung kennenzulernen. Noch sind sie wenig festgelegt, wenngleich einladend und reich an Anreizen, in jedem Fall sind sie bereit, sich zu \u00f6ffnen und uns, und unsere Neugier auf neue Erfahrungen, in jedem beliebigen Moment willkommen zu hei\u00dfen, in dem wir entscheiden, uns auf die Suche nach ihnen zu begeben.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Sp\u00e4ter, wenn wir \u00e4lter werden, pflegt jeder von uns Interessen, besch\u00e4ftigt sich und hat Umgang mit einem oder mehreren Bet\u00e4tigungsfeldern und Unterhaltungsbereichen, lebt Gef\u00fchle und Leidenschaften. Neben diesen entstehen die Gewohnheiten&#8230; All dies bedeutet, dass wir beginnen m\u00fcssen, einige R\u00e4ume anstelle von anderen als unseren st\u00e4ndigen Wohnsitz auszuw\u00e4hlen, es bedeutet, in ihnen einen immer gr\u00f6\u00dferen Teil unserer Zeit zu verbringen und sie in behaglichster Weise einzurichten, am geeignetsten f\u00fcr unsere Gewohnheiten; und es bedeutet sie zu finden und anschlie\u00dfend die Strecken zu wiederholen, die einen Raum mit dem anderen verbinden.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][et_pb_row module_class=&#8221; et_pb_row_fullwidth&#8221; _builder_version=&#8221;3.25&#8243; width=&#8221;89%&#8221; width_tablet=&#8221;80%&#8221; width_phone=&#8221;&#8221; width_last_edited=&#8221;on|desktop&#8221; max_width=&#8221;89%&#8221; max_width_tablet=&#8221;80%&#8221; max_width_phone=&#8221;&#8221; max_width_last_edited=&#8221;on|desktop&#8221; custom_padding=&#8221;0|0px|27px|0px|false|false&#8221; make_fullwidth=&#8221;on&#8221;][et_pb_column type=&#8221;4_4&#8243; _builder_version=&#8221;3.25&#8243; custom_padding=&#8221;|||&#8221; custom_padding__hover=&#8221;|||&#8221;][et_pb_text _builder_version=&#8221;3.27.4&#8243; text_font=&#8221;||||||||&#8221; text_font_size=&#8221;18px&#8221; header_font=&#8221;||||||||&#8221;]<\/p>\n<p class=\"align-justify\">F\u00fcr die meisten von uns ist die Anzahl dieser bewohnten R\u00e4ume viel, ja sogar, sehr viel geringer als die Anzahl, die unser K\u00f6rper und unser Geist hergeben w\u00fcrden: Allerdings beruhigt uns wenigstens am Anfang der Gedanke, dass uns auch die Nebenr\u00e4ume, obgleich sie momentan unbewohnt sind, weiterhin zur Verf\u00fcgung stehen, bereit sich zu \u00f6ffnen und uns aufzunehmen, sobald wir den Wunsch oder das Bed\u00fcrfnis danach versp\u00fcren.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Und eines Tages kommt uns in den Sinn, wieder einmal einen von ihnen zu betreten, einen Raum, in den wir seit langem keinen Fu\u00df mehr gesetzt haben: Doch es erfasst uns ein vages Unbehagen, oder Tr\u00e4gheit&#8230; Man stelle sich vor, wie staubig er sein wird und voll schlechter Luft, wo er doch seit Monaten nicht besucht wurde. Vielleicht ist es besser abzuwarten, besser w\u00e4re ein sch\u00f6ner Tag, sonnig und warm, um die Fenster aufzurei\u00dfen und frische Luft hereinzulassen&#8230;<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Aber wenn dieser Tag kommt, ist bereits einige Zeit vergangen, und im unbewohnten Raum sind die T\u00fcrangeln eingerostet, sind abweisend geworden, ausreichend, um uns von dem Versuch, die T\u00fcr zu \u00f6ffnen, abzubringen. Wir finden dort sicherlich Spinnweben, Schmutz, der sich mit der Zeit angesammelt hat. Und wir denken, dass wir uns sicherlich v\u00f6llig einstauben, wenn wir versuchen w\u00fcrden, hineinzugehen oder die Fensterl\u00e4den zu entfernen.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Nun ist der Raum dunkel, weder freundlich noch behaglich und allein die Vorstellung hineinzugehen, bereitet uns Unbehagen, untergraben und zersetzt sind viele unserer bequemen Sicherheiten, die wir uns in der Zwischenzeit errichtet haben, derart, dass unser Verstand sich sofort anderen Dingen zuwendet, abschweift, ausweicht.\u00a0<span style=\"font-size: 18px;\">Ab diesem Moment ist es wahrscheinlich, dass wir nie mehr diesen Raum betreten, ab diesem Moment ist es sicher, dass sich unser Leben eingeschr\u00e4nkt hat. Alles bisher Beschriebene hat einen Namen: \u00c4lter werden.<\/span><\/p>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][et_pb_row module_class=&#8221; et_pb_row_fullwidth&#8221; _builder_version=&#8221;3.25&#8243; width=&#8221;89%&#8221; width_tablet=&#8221;80%&#8221; width_phone=&#8221;&#8221; width_last_edited=&#8221;on|desktop&#8221; max_width=&#8221;89%&#8221; max_width_tablet=&#8221;80%&#8221; max_width_phone=&#8221;&#8221; max_width_last_edited=&#8221;on|desktop&#8221; custom_padding=&#8221;0|0px|27px|0px|false|false&#8221; make_fullwidth=&#8221;on&#8221;][et_pb_column type=&#8221;4_4&#8243; _builder_version=&#8221;3.25&#8243; custom_padding=&#8221;|||&#8221; custom_padding__hover=&#8221;|||&#8221;][et_pb_text _builder_version=&#8221;3.27.4&#8243; text_font=&#8221;||||||||&#8221; text_font_size=&#8221;18px&#8221;]<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Das \u00c4lterwerden erscheint uns wie eine schiefe Ebene. Hat man auf ihr einmal Geschwindigkeit aufgenommen, wird es schwierig, in die Bewegung einzugreifen oder auch einfach nur den Kurs zu \u00e4ndern: Die Gewohnheiten \u00fcben eine Anziehungskraft aus, die unserer Existenz eine Last auferlegt und uns an die wenigen R\u00e4ume des Lebens bindet, die wir gewohnt sind, aufzusuchen. Wer sich von uns darin \u00fcbt, diesen Prozess in sich und in den anderen zu erkennen und zu demaskieren, wird Tag f\u00fcr Tag feststellen, wie stark er unser Handeln bestimmt, unsere Sprache, die Art nachzudenken und sogar die blo\u00dfe K\u00f6rpersprache (also das Einherschreiten, das Gestikulieren, der Ausdruck der Augen, der Gesichtsaudruck und die K\u00f6rperhaltung) der Personen, die ihn umgeben. Mit einem Wort, wer lernt ihn wahrzunehmen, auf ihn zu achten, ist in der Lage zu sehen, in welchem Ma\u00df dieser Prozess in sich selbst und in den anderen vorhanden ist.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">In unserem Leben ist es unvermeidlich, dass uns diese schiefe Ebene begegnet, fr\u00fcher oder sp\u00e4ter, (sie ist es, die unter anderem f\u00fcr diese typische Empfindung sorgt, nach der, je mehr die Jahre vergehen, die Zeit umso schneller rennt und uns zwischen den Fingern zerrinnt). Und doch ist es keineswegs n\u00f6tig, sie hinzunehmen, das hei\u00dft, sich von ihr beeinflussen zu lassen. Das Gef\u00e4lle ist eine Gefahr, sicherlich, jedoch ist jede Gefahr auch eine Chance, so wie jedes Negativ in der Fotografie ben\u00f6tigt wird, um ein Positiv zu erhalten. Im Gegenteil, auf einer schiefen Ebene k\u00f6nnen sich, wie in einem Tanz Entwicklungen vollziehen, die noch eleganter, schwungvoller und leichter sind, als die auf einer horizontalen Oberfl\u00e4che! Es reicht zu begreifen, sich noch einmal der Dynamik und der Kr\u00e4fte bewusst zu werden, die das Gef\u00e4lle auf uns aus\u00fcbt, um zu lernen, diese zu nutzen, wie in einem Spiel, zu unserem Vorteil.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Im Yoga ist jedes Asana, eine jahrtausendealte Weisheit zusammenfassend, genau so angelegt, dass es uns beim Aufsuchen und Wiederfinden von einem oder mehreren jener R\u00e4ume begleitet, die in Gefahr sind, als erste aufgegeben zu werden. Und in jeder Yogasitzung erfahren wir diese R\u00e4ume mit dem eigenen Leib, sammeln k\u00f6rperliche Erfahrungen dar\u00fcber, was es hei\u00dft, sich auf von uns unerforschte Regionen einzulassen und unsere Grenzen zu erweitern. Aus diesem Grund folgt dem anf\u00e4nglichen Gef\u00fchl des Unbequemen und Unbehaglichen der Asanas bald, jedes Mal wenn wir uns ihrer Aus\u00fcbung n\u00e4hern, der Eindruck, alte Freunde wiedergefunden zu haben.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Auch die Musik hat eine \u00e4hnliche Wirkung, sie ist in ihrer Beschaffenheit die vielschichtigste der K\u00fcnste: Sie auszu\u00fcben \u2013 und zu lernen, in musikalischen Begriffen zu denken \u2013 f\u00fcgt unserem Realit\u00e4tsbezug und unserem zeitlichen Empfinden neue Dimensionen hinzu, und festigt au\u00dferdem in uns das Bed\u00fcrfnis, auf den Frequenzen jener Hintergrundharmonie widerzuklingen, die am Anfang unseres Einf\u00fchlungsverm\u00f6gens in die Welt und in uns Selbst steht.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Es sind unendliche R\u00e4ume, die die Musik erschlie\u00dft und uns erlaubt zu erkunden. Komponieren, zum Beispiel, ist eine Reise in unser Selbst, dank welcher der f\u00fcrstliche Palast, den jeder von uns in sich verwahrt, von Mal zu Mal konkreter wird, in Gestalt von Klangarchitektur, die wir dabei sind zu erschaffen, welche sich dann jedes Mal, wenn wir zur\u00fcckkehren um sie aufzusuchen, unter neuen und immer unterschiedlichen Aspekten pr\u00e4sentiert, obwohl sie immer Ausdruck ein und derselben sch\u00f6pferischen Pers\u00f6nlichkeit ist. Nur wenige Dinge sind so berauschend wie der Kontakt mit der eigenen Sch\u00f6pfungskraft, wenn sie Form annimmt und zur Klang-Materie wird. Und ich bin sicher, dass der Mensch noch immer keine Droge erfunden hat, deren Wirkung so stark ist, wie die bei der Begegnung mit uns selbst, im Reich der unendlichen M\u00f6glichkeiten und dennoch au\u00dfergew\u00f6hnlich real.<\/p>\n<h3>Die Beziehung zum Instrument und einige Beobachtungen zur Art des \u00dcbens<\/h3>\n<p class=\"align-justify\">Auch das Spielen eines Instrumentes bringt die Aus\u00fcbung einer psychophysischen Disziplin, mit einer st\u00e4ndigen Erweiterung, Kontrolle und Vervollkommnung von uns selbst, mit sich. Das Erlernen der Technik und die Kenntnis der Philosophie, die ihr zugrunde liegt, entspricht einer Yoga-\u00dcbung, die man mit Hilfe des Instrumentes durchf\u00fchrt. Vorausgesetzt, dass wir, w\u00e4hrend wir \u00fcben, unsere volle Aufmerksamkeit auf uns gerichtet halten, k\u00f6nnen die Ergebnisse \u00fcber die einfache Weiterentwicklung der Technik hinausgehen (also die Verk\u00fcrzung der Entfernung zwischen uns und der vollen Realisierung unseres musikalischen Willens) und darauf abzielen \u201eunseren Geist Tag f\u00fcr Tag zu polieren, wie einen Spiegel, der die Realit\u00e4t mit kristallener Klarheit widerspiegelt\u201c, wie die Zen-Meister sagen. Das \u00dcben der Technik kann also die Funktion \u00fcbernehmen, die das \u201eAbschie\u00dfen der Pfeile\u201c innehat, im Buch von Eugen Herrigel \u201eZen in der Kunst des Bogenschie\u00dfens\u201c, auf das wir sp\u00e4ter noch zur\u00fcckkommen werden. (Es ist kein Zufall, dass wir es auch beim Klavier, wie schon beim Bogen mit der Sehne, mit gespannten Saiten\u00a0 zu tun haben, von denen ein Ton \u201eabgeschossen\u201c wird&#8230;).<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Damit ist die Wahrheit, die in uns eingeschlossen ist, wie beim Bogenschie\u00dfen, die eigentliche Zielscheibe, der wir uns zuwenden. Auf dieselbe Weise kann die Klaviertechnik als praktische Veranschaulichung unserer Herangehensweise an das Leben verstanden werden, des st\u00e4ndigen Trainierens und \u00dcberpr\u00fcfens, um geschehen zu lassen, was wir uns als Ziel festgelegt hatten <a href=\"#1\">(1)<\/a>, jede unechte Vors\u00e4tzlichkeit dabei abstellend, die, zusammen mit der Angst zu Versagen, die Reinheit der Ausf\u00fchrung st\u00f6ren w\u00fcrde.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Es ist selbstverst\u00e4ndlich von wesentlicher Bedeutung, dass eine koh\u00e4rente Lehre die Grundlage der Klaviertechnik bildet, dergestalt, dass jedes Element auf den festgelegten und anfangs \u00fcberpr\u00fcften Voraussetzungen basiert und dadurch ein System bildet, in dem jede Aktion unabh\u00e4ngig ist und anderen nicht zuwiderl\u00e4uft.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">F\u00fcr mich waren die Erfahrungen, die ich w\u00e4hrend meines Studiums in Neapel bei Vincenzo Vitale, von 1979 bis 1984, dem Jahr seines Todes, sammeln konnte, von gro\u00dfer Bedeutung. Vitale war ein Mensch, ein K\u00fcnstler und Lehrer von gro\u00dfer Bedeutung und von beeindruckender Pers\u00f6nlichkeit (Eigenschaften die von ebenso ausgepr\u00e4gten Widerspr\u00fcchen seines Charakters begleitet wurden, die, speziell in den letzten Jahren, die Beziehungen zu ihm recht st\u00fcrmisch gestalteten, und die Strecke, auf der man dahin gelangen konnte, wo man aus seinem Wissen sch\u00f6pfen und gro\u00dfen Nutzen aus seinen Lektionen ziehen konnte, glich der eines Lachses, der stromaufw\u00e4rts die Stromschnellen eines Flusses \u00fcberwinden muss).<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Andererseits ist es m\u00f6glich, dass eine Pers\u00f6nlichkeit wie die Seine dazu ausersehen ist, alles im Gro\u00dfen zu t\u00e4tigen und mit einer gewissen fatalen Unabwendbarkeit: Vom Antworten am Telefon mit seiner ber\u00fchmten tiefen Stimme bis hin zu seiner Schroffheit und den widerspr\u00fcchlichen, definitiv selbstzerst\u00f6rerischen Seiten seines Charakters.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">In jedem Fall wird ihm eine erstaunliche didaktische F\u00e4higkeit zuerkannt, die w\u00e4hrend eines langen und intelligenten Studiums der neapolitanischen Klaviertradition und von zahlreichen Abhandlungen zur Physiologie des Klaviervortrags (darunter zuallererst die von Attilio Brugnoli) gereift ist. Und vor allem durch eine bemerkenswerte F\u00e4higkeit zur Synthese und zur Neubearbeitung, durch seinen Instinkt, der es ihm erlaubte, ins Schwarze zu treffen, indem er Lektionen erteilte, in denen er sich nicht im Theoretisieren und in unn\u00f6tigen Details verlieren musste, sondern Situationen und technische Probleme oft mit einer derart gezielten, entscheidenden und wesentlichen Ber\u00fchrung, verwandeln und l\u00f6sen konnte, dass es fast sch\u00f6pferisch wirkte.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Nehmen wir an, oder besser, setzen wir voraus, dass jedes Thema, das der Physiologie des Klavierspielens innewohnt, notwendigerweise auf\u00a0 Ann\u00e4hrungen und sogar drastische Vereinfachungen zur\u00fcckgreifen muss, um dem Sch\u00fcler tats\u00e4chlich zu n\u00fctzen, und ihn nicht, im Gegenteil, zu l\u00e4hmen, so hat er jedenfalls einige Prinzipien entwickelt, die ich beibehalte und, indem ich sie bei mir und meinen Sch\u00fclern angewandt habe, konnte ich immer feststellen, dass sie sehr effizient sind. <a href=\"#2\">(2)<\/a><\/p>\n<p class=\"align-justify\">Das erste der Prinzipien ist, dass die Spielposition der Hand keine Voraussetzung sondern eine Konsequenz ist. Die traditionellen Schulen haben ihre Sch\u00fcler fast immer so ausgebildet, dass ihnen eine korrekte Ausgangsposition vorgeschrieben wurde, zusammen mit \u00dcbungen, bei denen diese beim Spielen beibehalten werden musste. Vitale hingegen war der Ansicht, dass die Vorstellung einer guten Position aus der Beobachtung der gro\u00dfen Pianisten gefolgert worden w\u00e4re, f\u00fcr die ebendiese Position jedoch nichts anderes war, als das Resultat einer korrekten Muskelhaltung, die sie, mehr oder weniger instinktiv, eingenommen hatten.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][et_pb_row column_structure=&#8221;2_3,1_3&#8243; module_class=&#8221; et_pb_row_fullwidth&#8221; _builder_version=&#8221;3.25&#8243; width=&#8221;89%&#8221; width_tablet=&#8221;80%&#8221; width_phone=&#8221;&#8221; width_last_edited=&#8221;on|desktop&#8221; max_width=&#8221;89%&#8221; max_width_tablet=&#8221;80%&#8221; max_width_phone=&#8221;&#8221; max_width_last_edited=&#8221;on|desktop&#8221; custom_padding=&#8221;0|0px|0|0px|false|false&#8221; make_fullwidth=&#8221;on&#8221;][et_pb_column type=&#8221;2_3&#8243; _builder_version=&#8221;3.25&#8243; custom_padding=&#8221;|||&#8221; custom_padding__hover=&#8221;|||&#8221;][et_pb_text _builder_version=&#8221;3.27.4&#8243; text_font=&#8221;||||||||&#8221; text_font_size=&#8221;18px&#8221;]Folglich erkl\u00e4rte er, dass es n\u00f6tig ist, bei der Analyse und dem Studium der K\u00f6rperhaltung zu beginnen. Und erst dann, nachdem die muskul\u00e4ren Abl\u00e4ufe in Gang gesetzt, \u00fcberwacht und richtig geleitet worden sind, um zum Spielen beizutragen, erreicht man die Position, die von Person zu Person notwendigerweise variieren wird, je nach der Beschaffenheit ihrer Hand und ihrer Muskelstr\u00e4nge. Um es weiter zu vereinfachen, der Finger hat beim Klavierspiel zwei Funktionen: Die, das Gewicht des Unterarms zu st\u00fctzen und die, die Taste anzuschlagen.<br \/>\n[\/et_pb_text][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8221;1_3&#8243; _builder_version=&#8221;3.25&#8243; custom_padding=&#8221;|||&#8221; custom_padding__hover=&#8221;|||&#8221;][et_pb_blurb title=&#8221;Abbildung 1&#8243; image=&#8221;https:\/\/slowmusic.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/DSCF2433_02.jpg&#8221; _builder_version=&#8221;3.19.3&#8243; header_level=&#8221;h5&#8243; header_font=&#8221;||||||||&#8221; custom_margin=&#8221;||&#8221; custom_padding=&#8221;||&#8221;][\/et_pb_blurb][\/et_pb_column][\/et_pb_row][et_pb_row column_structure=&#8221;2_3,1_3&#8243; module_class=&#8221; et_pb_row_fullwidth&#8221; _builder_version=&#8221;3.25&#8243; width=&#8221;89%&#8221; width_tablet=&#8221;80%&#8221; width_phone=&#8221;&#8221; width_last_edited=&#8221;on|desktop&#8221; max_width=&#8221;89%&#8221; max_width_tablet=&#8221;80%&#8221; max_width_phone=&#8221;&#8221; max_width_last_edited=&#8221;on|desktop&#8221; custom_padding=&#8221;0|0px|0|0px|false|false&#8221; make_fullwidth=&#8221;on&#8221;][et_pb_column type=&#8221;2_3&#8243; _builder_version=&#8221;3.25&#8243; custom_padding=&#8221;|||&#8221; custom_padding__hover=&#8221;|||&#8221;][et_pb_text _builder_version=&#8221;3.27.4&#8243; text_font=&#8221;||||||||&#8221; text_font_size=&#8221;18px&#8221;]<\/p>\n<p>Um die erste Funktion auszubilden, die den Muskeln und Beugesehnen \u00fcbertragen wird, f\u00e4ngt man mit einer \u00dcbung, eben einer Beugung an, in der, ausgehend von einer Position, in der sich die Schulter und der Oberarm im Zustand v\u00f6lliger Ruhe befinden (der Oberarm f\u00e4llt mit seinem ganzen Gewicht herab, um es so auszudr\u00fccken), und in welcher der Unterarm auf einem Finger ruht (oder besser lastet), der sich gerade noch an der Tastatur festh\u00e4lt,<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8221;1_3&#8243; _builder_version=&#8221;3.25&#8243; custom_padding=&#8221;|||&#8221; custom_padding__hover=&#8221;|||&#8221;][et_pb_blurb title=&#8221;Abbildung 2&#8243; image=&#8221;https:\/\/slowmusic.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/089acc0a4d.jpg&#8221; _builder_version=&#8221;4.0.6&#8243; header_level=&#8221;h5&#8243; header_font=&#8221;||||||||&#8221; custom_margin=&#8221;||&#8221; custom_padding=&#8221;||&#8221;][\/et_pb_blurb][\/et_pb_column][\/et_pb_row][et_pb_row column_structure=&#8221;1_3,1_3,1_3&#8243; module_class=&#8221; et_pb_row_fullwidth&#8221; _builder_version=&#8221;3.25&#8243; width=&#8221;89%&#8221; width_tablet=&#8221;80%&#8221; width_phone=&#8221;&#8221; width_last_edited=&#8221;on|desktop&#8221; max_width=&#8221;89%&#8221; max_width_tablet=&#8221;80%&#8221; max_width_phone=&#8221;&#8221; max_width_last_edited=&#8221;on|desktop&#8221; custom_padding=&#8221;0|0px|0|0px|false|false&#8221; make_fullwidth=&#8221;on&#8221;][et_pb_column type=&#8221;1_3&#8243; _builder_version=&#8221;3.25&#8243; custom_padding=&#8221;|||&#8221; custom_padding__hover=&#8221;|||&#8221;][et_pb_text _builder_version=&#8221;3.27.4&#8243; text_font=&#8221;||||||||&#8221; text_font_size=&#8221;18px&#8221;]<\/p>\n<p>entwickelt sich langsam eine Anspannung der Fingerbeuger, die sich von der Fingerspitze (distale Phalange) \u00fcber die mediale und proximale Phalange und dann zur Mittelhand und Handwurzel \u00fcbertr\u00e4gt,<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8221;1_3&#8243; _builder_version=&#8221;4.0.6&#8243;][et_pb_blurb title=&#8221;Abbildung 3&#8243; image=&#8221;https:\/\/slowmusic.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/DSCF2427_04.jpg&#8221; _builder_version=&#8221;3.19.3&#8243; header_level=&#8221;h5&#8243; header_font=&#8221;||||||||&#8221; custom_padding=&#8221;3px|||||&#8221;][\/et_pb_blurb][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8221;1_3&#8243; _builder_version=&#8221;3.25&#8243; custom_padding=&#8221;|||&#8221; custom_padding__hover=&#8221;|||&#8221;][et_pb_blurb title=&#8221;Abbildung 4&#8243; image=&#8221;https:\/\/slowmusic.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/DSCF2428_04.jpg&#8221; _builder_version=&#8221;3.19.3&#8243; header_level=&#8221;h5&#8243; header_font=&#8221;||||||||&#8221;][\/et_pb_blurb][\/et_pb_column][\/et_pb_row][et_pb_row column_structure=&#8221;2_3,1_3&#8243; module_class=&#8221; et_pb_row_fullwidth&#8221; _builder_version=&#8221;3.25&#8243; width=&#8221;89%&#8221; width_tablet=&#8221;80%&#8221; width_phone=&#8221;&#8221; width_last_edited=&#8221;on|desktop&#8221; max_width=&#8221;89%&#8221; max_width_tablet=&#8221;80%&#8221; max_width_phone=&#8221;&#8221; max_width_last_edited=&#8221;on|desktop&#8221; custom_padding=&#8221;0|0px|0|0px|false|false&#8221; make_fullwidth=&#8221;on&#8221;][et_pb_column type=&#8221;2_3&#8243; _builder_version=&#8221;3.25&#8243; custom_padding=&#8221;|||&#8221; custom_padding__hover=&#8221;|||&#8221;][et_pb_text _builder_version=&#8221;3.27.4&#8243; text_font=&#8221;||||||||&#8221; text_font_size=&#8221;18px&#8221;]<\/p>\n<p>dann \u00fcber das Handgelenk zu Elle und Speiche, und auf diese Weise eine Serie von Hebeln bildet, die allein durch die T\u00e4tigkeit des Fingerbeugers in der Lage sind, den Unterarm zu tragen und es somit erm\u00f6glichen, die gew\u00fcnschte Position einzunehmen.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8221;1_3&#8243; _builder_version=&#8221;3.25&#8243; custom_padding=&#8221;|||&#8221; custom_padding__hover=&#8221;|||&#8221;][et_pb_blurb title=&#8221;Abbildung 5&#8243; image=&#8221;https:\/\/slowmusic.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/04c8dc7132.jpg&#8221; _builder_version=&#8221;4.0.6&#8243; header_level=&#8221;h5&#8243; header_font=&#8221;||||||||&#8221; custom_margin=&#8221;||&#8221; custom_padding=&#8221;||&#8221;][\/et_pb_blurb][\/et_pb_column][\/et_pb_row][et_pb_row module_class=&#8221; et_pb_row_fullwidth&#8221; _builder_version=&#8221;3.25&#8243; width=&#8221;89%&#8221; width_tablet=&#8221;80%&#8221; width_phone=&#8221;&#8221; width_last_edited=&#8221;on|desktop&#8221; max_width=&#8221;89%&#8221; max_width_tablet=&#8221;80%&#8221; max_width_phone=&#8221;&#8221; max_width_last_edited=&#8221;on|desktop&#8221; custom_padding=&#8221;0|0px|27px|0px|false|false&#8221; make_fullwidth=&#8221;on&#8221;][et_pb_column type=&#8221;4_4&#8243; _builder_version=&#8221;3.25&#8243; custom_padding=&#8221;|||&#8221; custom_padding__hover=&#8221;|||&#8221;][et_pb_text _builder_version=&#8221;3.27.4&#8243; text_font=&#8221;||||||||&#8221; text_font_size=&#8221;18px&#8221; custom_margin=&#8221;18px|||||&#8221;]<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Das gesamte Gewicht lastet damit auf dem Finger. Wesentlich f\u00fcr diese \u00dcbung, die langsam und mit einer gewissen Konzentration ausgef\u00fchrt werden muss und nie, bevor man nicht die absolute Gewissheit hat, dass sich der Arm im beschriebenen Ruhezustand befindet, ist, dass die Bewegung des gesamten Hebelsystems ausschlie\u00dflich durch die T\u00e4tigkeit des Beugers verursacht wird (und entsprechend nicht durch Anheben des Unterarms unterst\u00fctzt wird \u2013 was man sofort daran merkt, dass sich das Gewicht nicht vollst\u00e4ndig auf die angeschlagene Taste \u00fcbertr\u00e4gt). Und noch wichtiger ist, das keinerlei Druck nach unten ausge\u00fcbt wird (das hei\u00dft, dass man nicht auf die Taste dr\u00fcckt) wie es jedoch manchmal im \u00dcbereifer geschieht.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Die einzige Kraft, mit der sich die Muskelt\u00e4tigkeit auseinanderzusetzen hat, ist die Schwerkraft. (Dieser Punkt ist entscheidend, weil ein unangemessener Druck eine \u00fcberm\u00e4\u00dfige Anstrengung der Beuger verursacht, die schlimmstenfalls zu einer Sehnenscheidenentz\u00fcndung f\u00fchren kann \u2013 typischerweise meistens an der Unterseite des Unterarms, in der N\u00e4he des Ellenbogens. Ich habe Erfahrung im L\u00f6sen verschiedener F\u00e4lle von Sehnenscheidenentz\u00fcndungen, die \u00fcberstanden und geheilt werden konnten, indem ich dem Sch\u00fcler genau dieses Zuviel an Druck bewusst gemacht und dadurch entfernt habe. Auf diese Weise konnte die richtige Wirkung des Gewichts in den meisten F\u00e4llen, mehr als notwendig, wiederhergestellt werden, um den gew\u00fcnschten Klang zu erzielen).<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Obwohl das Konzept sehr einfach ist (oder gerade deswegen), erfordert diese \u00dcbung eine betr\u00e4chtliche Konzentration und mentale Freiheit, um richtig ausgef\u00fchrt zu werden. Besser w\u00e4re es, sie unter Anleitung eines erfahrenen und einf\u00fchlsamen Lehrers zu machen und in jedem Fall immer in kleiner \u201eDosierung\u201c, weil es einer gro\u00dfen Klarheit des Geistes und gro\u00dfer Aufmerksamkeit bedarf, um das, was wirklich gerade mit unseren Muskeln geschieht, wahrzunehmen, und um zu vermeiden, dass wir der T\u00e4uschung erliegen, zu der uns unsere Gewohnheiten oft in Form von verf\u00e4lschten Wahrnehmungen verleiten. Das Ziel, das von der erreichten Haltung verk\u00f6rpert wird, wird danach zum Ausgangspunkt f\u00fcr den Aufbau einer technischen Methode, die schlie\u00dflich in noch umfassenderen Formeln m\u00fcndet.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Die n\u00e4chste \u00dcbung besteht in der Verlagerung des Gewichts (das hei\u00dft, ausgehend von der Situation, die wir erreicht hatten &#8211; Abb. 5 \u2013 in der das gesamte Gewicht auf dem zweiten Finger ruht, f\u00fchrt man ein schnelles, fast sofortiges Anspannen, zum Beispiel des dritten Fingers aus, w\u00e4hrend man gleichzeitig den zweiten entspannt). Auf diese Art verlagert sich das Gewicht, wie beabsichtigt, auf den dritten Finger, der die entsprechende Taste anschl\u00e4gt (man f\u00e4hrt Ton f\u00fcr Ton fort). Dieser Ablauf ist das Prinzip des Spielens von cantabile.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Zugegeben, der Klang, den Vitale dem Klavier entlockte, wenn er diese sehr einfache und wesentliche \u00dcbung vorf\u00fchrte, war von solcher Amplitude, F\u00fclle und Ausdrucksst\u00e4rke, wie ich sie sp\u00e4ter nur selten wieder h\u00f6rte, und das, obwohl seine Hand, die imposante Ausma\u00dfe hatte, praktisch bewegungslos blieb. Ohne jegliche Ersch\u00fctterung, jegliche St\u00f6\u00dfe oder irgendeine erkennbare Anstrengung, \u00fcbertrug sich das Gewicht des Arms einfach von einem Finger auf den anderen. W\u00e4hrend man dieser Vorf\u00fchrung beiwohnte, bekam man wiederum einen Eindruck, der dem von Herrigel beschriebenen nicht un\u00e4hnlich ist, wenn sich der Pfeil vom Bogen seines Meisters abschie\u00dft, ohne dass seine Hand, sein Arm oder sein Bogen auch nur die geringste Ersch\u00fctterung verrieten, die ihre Gelassenheit gest\u00f6rt h\u00e4tten. Man nahm es so wahr, als w\u00e4re es nicht der Meister, der handelte, sondern der Schuss, der stattdessen \u201evon ihm abf\u00e4llt\u201c, schreibt der deutsche Philosoph.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Der Gabe des Zen-Meisters k\u00f6nnen wir die Kontrolle durch das Geh\u00f6r zur Seite stellen, weshalb wir durch ein gutes Training in der Lage sind, die \u00dcbung zu beurteilen, die vom Sch\u00fcler ausgef\u00fchrt wird, indem wir lediglich dem erzeugten Klang lauschen, w\u00e4hrend wir in eine andere Richtung schauen und den Sch\u00fcler dann bitten, diesen oder jenen Bereich des Arms oder der Hand zu entspannen. (Man muss pr\u00e4zisieren, dass nur der Eindruck der Anspannung dort wahrgenommen wird, weil die wirkliche Anspannung von anderer Stelle herr\u00fchrt \u2013 das hei\u00dft zum Beispiel, dass das typische Gef\u00fchl einer Kontraktion im Bereich zwischen Handr\u00fccken und Handgelenk, das man den Sch\u00fcler lehren kann beizulegen, womit man gleichzeitig die Klangqualit\u00e4t ver\u00e4ndert, offenkundig von einer Muskelt\u00e4tigkeit im Unterarm herr\u00fchrt&#8230;).<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Auch der Fall des Armes wird innerhalb dieses Systems zu einer Aktion, die mit dem Zustand der Muskeln aus Abb. 5 beginnt und endet. Eine schnelle &#8211; und wiederum fast sofortige &#8211; Anspannung des Bizeps (als Unterarmbeuger), hebt den Unterarm zusammen mit der Hand an und l\u00e4sst ihn gleich darauf wieder auf einen Finger fallen, der den Arm durch die Anspannung des entsprechenden Fingerbeugers (wie oben beschrieben) gewisserma\u00dfen im Fallen auff\u00e4ngt und st\u00fctzt, und ihn in den Zustand von Abb. 5 und in die Spielposition zur\u00fcckf\u00fchrt. Vitale bestand darauf, dass die Anspannung des Unterarmbeugers auf schnellstm\u00f6gliche Art erfolgen m\u00fcsse, um eine unn\u00f6tige Steifheit zu vermeiden. (\u00c4hnliche Empfehlungen bez\u00fcglich der T\u00e4tigkeit der Fingerbeuger bei der Gewichtsverlagerung und ebenso bei der der Strecker w\u00e4hrend der Ausholbewegung).<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][et_pb_row column_structure=&#8221;2_3,1_3&#8243; module_class=&#8221; et_pb_row_fullwidth&#8221; _builder_version=&#8221;3.25&#8243; width=&#8221;89%&#8221; width_tablet=&#8221;80%&#8221; width_phone=&#8221;&#8221; width_last_edited=&#8221;on|desktop&#8221; max_width=&#8221;89%&#8221; max_width_tablet=&#8221;80%&#8221; max_width_phone=&#8221;&#8221; max_width_last_edited=&#8221;on|desktop&#8221; custom_padding=&#8221;0|0px|0|0px|false|false&#8221; make_fullwidth=&#8221;on&#8221;][et_pb_column type=&#8221;2_3&#8243; _builder_version=&#8221;3.25&#8243; custom_padding=&#8221;|||&#8221; custom_padding__hover=&#8221;|||&#8221;][et_pb_text _builder_version=&#8221;3.27.4&#8243; text_font=&#8221;||||||||&#8221; text_font_size=&#8221;18px&#8221;]Eine weitere wichtige Beobachtung ist die, dass sich die Hand in dem kurzen Moment, in dem der Unterarm erhoben ist und sich anschickt wieder herunterzufallen, nicht ebenfalls erheben darf, sondern vielmehr gesenkt bleibt (das hei\u00dft, sie darf mit dem Unterarm keine, durch die Anspannung der Streckmuskeln hervorgerufene, fest verbundene Einheit bilden). Mit anderen Worten: Man darf das Handgelenk nicht versteifen. F\u00e4hrt man in dieser Weise fort, wird auch das \u00dcben der Oktaven eine \u00dcbung aus Fall-Abfolgen, in denen der Unterarm statt von einem einzelnen Finger, von einer Art Br\u00fccke zwischen Daumen und kleinem Finger (Abb. 6) getragen wird.<br \/>\n[\/et_pb_text][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8221;1_3&#8243; _builder_version=&#8221;3.25&#8243; custom_padding=&#8221;|||&#8221; custom_padding__hover=&#8221;|||&#8221;][et_pb_blurb title=&#8221;Abbildung 6&#8243; image=&#8221;https:\/\/slowmusic.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/0f4249a875.jpg&#8221; _builder_version=&#8221;3.19.3&#8243; header_level=&#8221;h5&#8243; header_font=&#8221;||||||||&#8221;][\/et_pb_blurb][\/et_pb_column][\/et_pb_row][et_pb_row module_class=&#8221; et_pb_row_fullwidth&#8221; _builder_version=&#8221;3.25&#8243; width=&#8221;89%&#8221; width_tablet=&#8221;80%&#8221; width_phone=&#8221;&#8221; width_last_edited=&#8221;on|desktop&#8221; max_width=&#8221;89%&#8221; max_width_tablet=&#8221;80%&#8221; max_width_phone=&#8221;&#8221; max_width_last_edited=&#8221;on|desktop&#8221; custom_padding=&#8221;0|0px|27px|0px|false|false&#8221; make_fullwidth=&#8221;on&#8221;][et_pb_column type=&#8221;4_4&#8243; _builder_version=&#8221;3.25&#8243; custom_padding=&#8221;|||&#8221; custom_padding__hover=&#8221;|||&#8221;][et_pb_text _builder_version=&#8221;3.27.4&#8243; text_font=&#8221;||||||||&#8221; text_font_size=&#8221;18px&#8221;]<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Das, was wir bisher beschrieben haben, sind die ersten Bausteine, auf denen man einen ganzen Geb\u00e4udekomplex errichtet, der, im st\u00e4ndigen Werden begriffen, in der Lage sein muss, sich zu verbessern, sich zu formen, den Anforderungen gerecht zu werden, auch wenn diese im Gegensatz zu einigen der Voraussetzungen stehen, die sie verursacht haben, ohne Scheu, sich mit ihnen auseinanderzusetzen und diskutiert zu werden.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Einer der Grunds\u00e4tze, die das Fundament bilden, ist, wenn m\u00f6glich zu vermeiden, zwei Muskeln gleichzeitig zu bet\u00e4tigen, die einander gegens\u00e4tzlich sind. Das scheint offensichtlich, und doch schreibt die sogenannte H\u00e4mmerchen-\u00dcbung, mit der Generationen von Pianisten ihr \u00dcben begannen, streng die gebeugte Haltung jedes einzelnen Fingers vor, wodurch Beuger und Strecker von Anfang an in Konkurrenz stehen (die einen beugen den Finger, die anderen heben in an), und dar\u00fcber hinaus verlangt sie, den 4. Finger allein anzuheben, ein Unterfangen, das die Sehnenplatte (Aponeurose) beansprucht, die die Streckmuskeln des 3., 4. und 5. Fingers untereinander verbindet und das damit eine theoretische Unabh\u00e4ngigkeit anstrebt, die sowohl \u00fcberfl\u00fcssig als auch sch\u00e4dlich und unnat\u00fcrlich ist.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Indem man diesem Geb\u00e4ude nach und nach Bausteine hinzuf\u00fcgt (der n\u00e4chste Schritt wird im Einf\u00fchren der Ausholbewegung bestehen, um die zweite Funktion auszuf\u00fchren, die diese innehaben k\u00f6nnen: die Taste anzuschlagen), erreicht man \u00dcbungen, in denen jeder Fallbewegung eine Ausholbewegung folgt \u2013 was bedeutet, dass die zweite Note wiederum durch Gewichts\u00fcbertragung gespielt wird, diesmal jedoch unter Verwendung von zus\u00e4tzlicher Energie, die diese Art \u201eAnlauf\u201c liefert, die das Anheben des Fingers ist. Gew\u00f6hnlich beginnt man mit dem 2. und 4. Finger, f\u00fcgt dann den 3. hinzu, danach den 5., und erreicht so die Folge 2-4-3-5, die der Ausgangspunkt der bekannten Vier-Finger-\u00dcbung ist.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Am Ende ist es tats\u00e4chlich nicht wichtig, wie viele \u00dcbungen gemacht werden, sondern wie sie durchgef\u00fchrt werden. Das hei\u00dft, es z\u00e4hlen die Grunds\u00e4tze, nach denen sie angewendet werden.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Hier ist nicht der richtige Ort f\u00fcr eine Abhandlung zur Klaviertechnik, die von der Lehre von Vincenzo Vitale ausgeht (und vielleicht gibt es daf\u00fcr \u00fcberhaupt keinen). Im \u00dcbrigen hatte nicht einmal er selbst jemals eine schreiben wollen, weil er zu Recht der Meinung war, dass die Weitergabe dieses Wissens einzig der Intuition des Lehrers \u00fcbertragen werden kann und seiner F\u00e4higkeit, eine einf\u00fchlsame Beziehung zwischen sich und seinem Sch\u00fcler herzustellen (letztendlich ein wechselseitiges Reflektieren). Ich habe mich darauf beschr\u00e4nkt, einige der Leitgedanken zu umrei\u00dfen.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Wie bei jedem Beispiel einer konsequenten Lehrmethode, die in der \u00dcbung einer bestimmten Disziplin auf die Perfektionierung von uns selbst ausgerichtet ist, bin ich \u00fcberzeugt, dass ihr Wert und die Felder in denen man aus ihr Profit ziehen kann, \u00fcber den Bereich der Disziplin selbst hinausgehen.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Das \u201cIns Visier nehmen\u201c zu lernen und jede eigene Handlung immer st\u00e4rker zu fokussieren, zu \u00fcben, die Haltung der Hand als Ergebnis eines dynamischen Gleichgewichts zu verstehen, das durch das Ausbalancieren der Energien, die wir ins Spiel bringen, fortw\u00e4hrend verbessert werden kann \u2013 ein Ergebnis, das nie fest und erstarrt ist, sondern in st\u00e4ndiger Weiterentwicklung \u2013 wird sich in einer breiteren Perspektive widerspiegeln, um die Position zu bestimmen, die wir selbst innerhalb jenes Netzes von dynamischen Interaktionen einnehmen, das unser Dasein ist.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Einige letzte Punkte zur Klaviertechnik erg\u00e4nzend, m\u00f6chte ich daran erinnern, wie wesentlich in dieser Lehrmethode der Begriff des Anhaltens ist, d. h. das Bestimmen der Zielpunkte (z. B. der h\u00f6chste Ton einer Tonleiter oder eines Arpeggio, oder der erste einer neuen Tonart im Verlauf der 5-Finger-\u00dcbung), wo die Bedingungen aus Abb. 5 wieder hergestellt werden (und zwar: Fingerbeuger ist maximal angespannt und st\u00fctzt den Unterarm, das gesamte Gewicht auf ihm; die Schulter, der Unterarm selbst und dar\u00fcber hinaus \u2013 soweit m\u00f6glich \u2013 die restlichen Finger, im Ruhezustand). \u00dcblicherweise w\u00fcrde die Fermate zum Beispiel auf einer Tonleiter \u00fcber vier Oktaven, die in Quartolen gespielt wird, auf dem ersten Ton der 8. Quartole erfolgen, f\u00fcr gew\u00f6hnlich auf dem 5. oder 4. Finger der rechten Hand und auf dem Daumen, 2. oder 3. Finger der Linken. (In der gegenl\u00e4ufigen Tonleiter hingegen, mit beiden H\u00e4nden vom selben Ton ausgehend, w\u00e4re der Haltepunkt auf dem ersten Ton der 4. Quartole).<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Das Halten hat f\u00fcr das Klavierspielen eine sehr gro\u00dfe Bedeutung: W\u00e4hrend wir auf einer Taste verharren, die wir gerade angeschlagen haben, erfahren wir den Zustand einer dynamischer Ruhestellung, aus der heraus es immer m\u00f6glich ist, sich zu verbessern (der Finger schwungvoller, jede wahrgenommene Spannung des Handr\u00fcckens und des Unterarms entspannt sich, Schulter locker).<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Diese Tendenz zur Verbesserung beeinflusst daraufhin den Ablauf der restlichen Tonleiter (oder eines Arpeggios, oder irgendeiner anderen \u00dcbung) und macht mit dem \u201eFotografieren\u201c der in den Momenten der Ruhe wahrgenommenen Empfindungen vertraut. Diese verk\u00fcrzen dann immer mehr ihre Dauer, bis sie praktisch ganz verschwinden, behalten jedoch ihre Wirksamkeit: Am Ende \u00fcbernimmt man die Gewohnheit, im Verlauf von besonders anspruchsvollen und erm\u00fcdenden Auff\u00fchrungen, die geeignetsten Momente zum Abladen von Spannungen zu erkennen und dadurch an St\u00e4rke und Brillanz zu gewinnen.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Der Abschnitt \u00fcber die Technik ohne Gewicht (also das Spielen mit angespanntem Unterarmbeuger \u2013 w\u00e4hrend die Schulter stets entspannt bleibt \u2013 wodurch sich das Gewicht soweit reduziert, dass f\u00fcr das Niederdr\u00fccken der Tasten, allein der Anschlag der Finger zust\u00e4ndig ist) folgt dem bisher Beschriebenen.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Diese Technik, mit der auf den vorangegangenen Seiten beschriebenen abzuwechseln, bedeutet die Unterschiede in unserem Spiel zu vergr\u00f6\u00dfern (zuerst die maximale St\u00fctze, das gesamte Gewicht \u2013 und dann, im Gegenteil, ohne Gewicht, so schnell und leicht wie m\u00f6glich). Das bedeutet zu expandieren, die Bandbreite unserer M\u00f6glichkeiten zu vermehren, einen immer gr\u00f6\u00dferen Raum zu schaffen, in dessen Innerem unsere Ausdrucksm\u00f6glichkeiten Spielraum bekommen, sich ausbreiten.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">In diesem Zusammenhang sei auch daran erinnert, welche gro\u00dfe Wirksamkeit Vitale den Rhythmusvarianten zuschrieb, durch die eine besonders anspruchsvolle Passage gemeistert werden kann. <a href=\"#3\">(3)<\/a><\/p>\n<p class=\"align-justify\">Zum Abschluss dieser kurzen und partiellen Abhandlung \u00fcber einige Aspekte der Technik \u2013 das stelle ich immer wieder als gelebte Erfahrung an mir selbst fest und es zeigt sich auch immer mehr an meinen Sch\u00fclern \u2013 sei erw\u00e4hnt, dass die Technik, wenn man sie mit der Kenntnis ihrer Grundlagen meistert und studiert, zu einem Mittel werden kann, mit dem wir unsere Ausdrucksm\u00f6glichkeiten verst\u00e4rken und ausbauen k\u00f6nnen, um die verschiedensten H\u00fcrden zu nehmen und unser Ich zu erweitern.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Wenn wir uns in Gegenwart eines Sch\u00fclers befinden, der zum Beispiel nicht in der Lage ist, den Daumenuntersatz mit der notwendigen Leichtigkeit und Geschmeidigkeit auszuf\u00fchren, weil er den Daumen anspannt (weit verbreitet und typisch ist das Problem des vorderen Fingerglieds, das steif nach au\u00dfen gekr\u00fcmmt wird), ist der st\u00e4rkste Eindruck der, dass diese Sperre den Zugang zu einem Raum seiner technischen &#8211; expressiven M\u00f6glichkeiten blockiert.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Das Entfernen dieser Sperre und das \u00d6ffnen eines Zugangs wird das Klavierspiel nicht nur um ein Vielfaches vereinfachen, bereinigen und beschleunigen, sondern auch einen vorbildlichen Pr\u00e4zedenzfall erschaffen, der uns in die Lage versetzt, zu vertrauen und die Stra\u00dfe frei zu machen, um weitere Sperren zu entfernen, auch wenn sie auf scheinbar unerreichbarem Niveau liegen.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Die Bereitschaft, das Vertrauen und die Gew\u00f6hnung, in die R\u00e4ume unseres Daseins immer tiefer und ohne Bedenken vorzudringen, sind das gr\u00f6\u00dfte Geschenk, das uns das Studium der transzendentalen Disziplinen, wie es das Yoga und die Musik sind, darbringen kann.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Sie lehren uns den Kreislauf, der darin besteht, in uns selbst einzutauchen, um mit Sch\u00e4tzen beladen wieder aufzutauchen, die wir der Welt, dank der Vermittlung einer Technik, weitergeben k\u00f6nnen, die eben dieses Zentrum bildet \u2013 als Bezugspunkt und dennoch in st\u00e4ndigem Progress \u2013 im Leben eines jeden K\u00fcnstlers.<\/p>\n<h3 class=\"align-justify\">Kurze Anmerkungen zur Konzerterfahrung<\/h3>\n<p class=\"align-justify\">Zahlreiche Studien, die in den letzten Jahren ver\u00f6ffentlicht wurden, berichten von faszinierenden Ergebnissen beim Scannen der Gehirnaktivit\u00e4ten (zum Beispiel mit der Technik der Magnetresonanztomographie), durchgef\u00fchrt bei Pianisten w\u00e4hrend einer Konzertauff\u00fchrung.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Diese Erfahrungen haben eben erst begonnen, uns die au\u00dfergew\u00f6hnliche Komplexit\u00e4t des Aktes des Klavierspielens, aus neurologischer Sicht, zu\u00a0 offenbaren. Die zahlreichen Gehirnregionen, die aktiviert werden und, dank der Musik,\u00a0 miteinander in Kommunikation treten, und ebenso \u2013 ein weiteres sehr wichtiges Forschungsfeld \u2013 die Regionen, deren Aktivit\u00e4t unter bestimmten Umst\u00e4nden zeitweilig verringert wird (zum Beispiel: Ein Pianist, der improvisiert, ist in der Lage, den Verbrauch von Sauerstoff und Glukose im dorsolateralen Teil des pr\u00e4frontalen Cortex zu verringern, einem Bereich des Frontallappens der Gro\u00dfhirnrinde,\u00a0 von dem normalerweise angenommen wird, dass er f\u00fcr die Kontrolle von geplanten Handlungsabl\u00e4ufen oder Selbstkontrolle zust\u00e4ndig ist, wie z. B. mit der Auswahl der richtigen Worte bei einem Arbeitsgespr\u00e4ch).<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Ein winziger Teil der bisherigen Ergebnisse w\u00fcrde ausreichen, um zu beweisen, dass nur wenige menschliche T\u00e4tigkeiten (oder vielleicht keine einzige), in der Lage sind, das Gehirn derart zu aktivieren und formbar zu machen \u2013 seine Aktivit\u00e4t auf so umfassende und gleichzeitig gezielte Art zu beeinflussen und zu verst\u00e4rken \u2013 wie das Spielen eines Instruments. Diese Komplexit\u00e4t h\u00e4lt davon ab, sich mit einem solchen Thema an dieser Stelle, mit dem hier zwangsl\u00e4ufig begrenzten Raum, auseinanderzusetzen, und verweist auf die Ergebnisse der Spezialisten, die sich auf fortschrittlichste Technologien berufen k\u00f6nnen. Gleichzeitig muss im Hinblick auf meine Ann\u00e4hrung an diese Aspekte als Interpret und Lehrer gesagt werden, dass der subjektive Bestandteil so \u00fcberwiegt, dass er die direkte Beziehung von Fall zu Fall, je nach Situation und Sch\u00fcler, notwendig macht.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Sicher ist, dass ein Interpret, der in der \u00d6ffentlichkeit spielt, sein gesamtes Selbst auf die B\u00fchne bringt und seine eigene Lebenserfahrung im weitesten Sinne erz\u00e4hlt. Wesentlich ist von daher die Beziehung, die wir, allem voran, zu uns selbst haben, und welche F\u00e4higkeit wir besitzen, mit uns selbst zu kommunizieren (notwendig, um auch mit anderen kommunizieren zu k\u00f6nnen).<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Die Kunst, sich selbst zu h\u00f6ren, wird daher wesentlich. Ich habe den Eindruck, das dieses so essentielle Verm\u00f6gen des Menschen &#8211; m\u00f6glicherweise der einzige Weg, der uns zu einem echten pers\u00f6nlichen Wachstum f\u00fchren kann &#8211; heute ziemlich \u00fcbersehen, um nicht zu sagen, bewusst vernachl\u00e4ssigt wird. Die f\u00fcr unsere Zeit so typische Angewohnheit, jede beliebige Umgebung mit Hintergrundmusik zu f\u00fcllen, \u00fcblicherweise auf einem elektronisch erzeugten Rhythmus basierend und wie dieser sehr banal, aggressiv und ohne Pause, scheint tats\u00e4chlich darauf ausgerichtet, zu verhindern, dass der Mensch mit sich selbst alleine bleibt und das Risiko somit zu beseitigen, dass er lernen k\u00f6nnte, sich zuzuh\u00f6ren und sich tats\u00e4chlich kennenzulernen. <a href=\"#4\">(4)<\/a> In der Tat scheint die instinktive Aversion, die viele mir bekannte Musiker gegen\u00fcber diesem musikalischen \u201eKetchup\u201c versp\u00fcren, das man ohne Unterschied \u00fcber einem Gro\u00dfteil der Klanglandschaft ausgie\u00dft, in der wir uns befinden &#8211; und das eine gleichsam identische \u201eGeschmacksnote\u201c jenen Momenten in unserem Leben verleiht, die doch so unterschiedlich sein k\u00f6nnten &#8211; meiner Meinung nach, ausgerechnet aus dem Bed\u00fcrfnis herzur\u00fchren, das jeder Solist hat: Einen tiefgr\u00fcndigen, flie\u00dfenden und ungest\u00f6rten Kontakt mit den innersten Bereichen des eigenen Ich.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Sich selbst zuzuh\u00f6ren ist eine Kunst, die gleichzeitig eine \u00e4u\u00dferste Wachsamkeit und eine ausgepr\u00e4gte F\u00e4higkeit im \u201eNichtstun\u201c erfordert. Die ber\u00fchmte Anekdote des Zen-Meisters, der bei der ersten Begegnung mit dem Sch\u00fcler, Tee in eine bereits volle Schale gie\u00dft, ihn damit versch\u00fcttet und auf dem Tisch verteilt, um mit diesem Beispiel zu verstehen zu geben, dass nichts in einen randvollen Beh\u00e4lter gelangen kann (das hei\u00dft, ein Kopf, in dem nicht vorher Stille geschaffen wurde, kann nichts lernen), scheint mir der beste Rat, der einem Solisten erteilt werden kann, im Moment, in dem er auf der B\u00fchne steht.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Die Methoden, um diese innere Stille zu erreichen, k\u00f6nnen mannigfaltig sein, und oft zueinander im scheinbaren Gegensatz stehen. Ein Klassiker sind Stretching-\u00dcbungen: Neben dem Aktivieren, Lockern und besseren Vorbereiten der Muskelstr\u00e4nge, die an der musikalischen Darbietung teilhaben werden, haben sie den Effekt, den Musiker \u201eauf sich selbst\u201c zur\u00fcckzulenken, indem das Gehirn wenigstens teilweise von dem fortw\u00e4hrenden Hintergrundger\u00e4usch befreit wird, das die Gedanken sind, in die versunken wir leben.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Sehr effizient ist au\u00dferdem, wenn es gelingt, vor einem Konzert zu schlafen, und sei es nur f\u00fcr einen kurzen Augenblick. Manchmal ist es sonderbarerweise ausgerechnet die Musik, die dabei helfen kann. Ein polyphones St\u00fcck h\u00f6ren, w\u00e4hrend man sich mit geschlossenen Augen hingelegt hat, dabei die Entwicklung jeder einzelnen Stimme visualisierend, zusammen mit dem harmonischen und formalen Verlauf der Komposition, ist eine Aktivit\u00e4t, die unser Bewusstseins vollst\u00e4ndig f\u00fcr sich beansprucht, und gleichzeitig verlegt sich das Gehirn auf eine langsamere und ausgeglichenere Arbeitsmethode, die in eine sehr spezielle Form des Schlafes leiten kann. In dieser verliert man nicht das Bewusstsein der musikalischen Syntax und des Dialogs zwischen den Stimmen, all dies gewinnt vielmehr einen neuen Aspekt, bisweilen eigenartig personifiziert (etwas \u00e4hnliches beschreibt Proust auf der ersten Seite von \u201eRecherche\u201c, im Zusammenhang mit dem im Schlaf erfolgtem Fortsetzen der Lekt\u00fcre seines Buches, mit dem er eingeschlafen war).<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Aus diesem mentalen Zustand zu erwachen ist \u00e4u\u00dferst belebend und erlaubt sp\u00e4ter beim Spielen, dass die Musik sich ausbreiten und durch uns leben kann, aus dieser eigenen Wirklichkeit heraus erstrahlend und scheinbar damit unabh\u00e4ngig vom Willen des Interpreten, der ihr die gr\u00f6\u00dfte Kraft und Entschiedenheit verleiht. (Tats\u00e4chlich kann eine gro\u00dfartige Interpretation unvorhersehbar sein, aber hat man sie einmal geh\u00f6rt, hat man den Eindruck, das die Dinge nur so und nicht anders sein k\u00f6nnen).<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Meine Erfahrung als Lehrer lehrt mich, dass man die Musiker-Pers\u00f6nlichkeit eines Sch\u00fclers nie so lebhaft und deutlich begreifen kann, wie wenn man ihn \u00f6ffentlich spielen h\u00f6rt, gleichzeitig kann man die psychisch-physischen Schwierigkeiten ermitteln, die noch \u00fcberwunden werden m\u00fcssen. Aus diesem Grund bin ich der absoluten \u00dcberzeugung, dass der wirkliche Unterricht, das richtige Zuh\u00f6ren, dort erfolgt, und es ist notwendig sicherzustellen, dass die Sch\u00fcler so oft wie m\u00f6glich in der \u00d6ffentlichkeit spielen.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Die Betrachtung des Einzelfalls kann jedoch derart umfassend sein, dass der blo\u00dfe Versuch, allgemeing\u00fcltige Regeln aufzustellen, meiner Meinung nach, zu einer Beschr\u00e4nkung des Aktionsfeldes f\u00fchren w\u00fcrde, wo es stattdessen erweitert werden m\u00fcsste.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Ich werde mir jedoch immer mehr dessen bewusst, dass das Vorgehen des Lehrers ein \u201eSich widerspiegeln\u201c im Sch\u00fcler beinhalten muss, das hei\u00dft, sich in sein Spiel hineinzuversetzen, es von innen heraus zu leben und, ebenfalls von innen heraus, den Weg zu finden, die Schwierigkeiten zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<h3>Nach dem Konzert<\/h3>\n<p class=\"align-justify\">Obwohl es sich um subjektive Reaktionen handelt und die faszinierendste Seite der Erfahrung eines Lehrer das anhaltende Bed\u00fcrfnis nach Erweiterung ist, danach, die eigenen F\u00e4higkeiten der Diagnose und des Eingreifens anzupassen, sie abzuw\u00e4gen und neu auszurichten, um die tieferen Abl\u00e4ufe des Spiels seines Sch\u00fclers beeinflussen zu k\u00f6nnen (das alles, um die Nebenwirkungen, m\u00f6glichst gering zu halten, also z. B. jene Imitation oder jenes Nacheifern des Lehrers, das normal ist, aber nicht unterst\u00fctzt werden sollte, weil es dem Sch\u00fcler nicht hilft, sich zu verbessern), habe ich immer festgestellt, dass ein Konzert den Moment einer Erweiterung des Ich\u2019s darstellt, und dass das erweiterte Ich, vor allem nach einem besonders intensiv erlebten Konzert, das Bed\u00fcrfnis versp\u00fcrt, bevor es sich wieder verdichtet und wieder auf die gew\u00f6hnlichen Grenzen trifft, innerhalb derer es sich bewegt, eine Gegen\u00fcberstellung zu finden, einen Empfang, einen Austausch mit der Umgebung, die den Kanal fortf\u00fchrt und am Leben h\u00e4lt, der sich zwischen der eigenen intensiveren und tieferen Seite und der Au\u00dfenwelt, bzw. dem Publikum, gebildet hat.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Am meisten empfehle ich, sofort mit dem \u00dcben fortzufahren. Es ist eine h\u00f6chst positive Herangehensweise, die erlaubt, die eben erlebten Erfahrungen einzubeziehen und die Gel\u00e4ufigkeit und den Zustand des Flusses der Energie, der sich w\u00e4hrend des Konzertes herausbildet, zu nutzen, ihn auf konstruktive und kreative Ziele zu lenken, wo sie in Form von Fortschritten des neuen Bewusstseins und\u00a0 der pers\u00f6nlichen Steigerung gefestigt werden. Jede Energie, die nicht genutzt wird und nicht auf ein wichtiges Ziel gelenkt wird, f\u00e4llt schlie\u00dflich auf den zur\u00fcck, der sie erzeugt hat. Das ist eines der Motive, weshalb sich f\u00fcr einige der Musiker, die ich getroffen und erlebt habe, das \u201eDanach\u201c eines Konzertes, in einen Moment der Entt\u00e4uschung verwandeln kann (als Zeichen f\u00fcr ungelenkte Energie).<\/p>\n<p class=\"align-right\" style=\"text-align: right;\"><i>\u00a9 Filippo Faes 2008 (\u00dcbersetzung: Katja Hofmann)<\/i><\/p>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][et_pb_row module_class=&#8221; et_pb_row_fullwidth&#8221; _builder_version=&#8221;3.25&#8243; width=&#8221;89%&#8221; width_tablet=&#8221;80%&#8221; width_phone=&#8221;&#8221; width_last_edited=&#8221;on|desktop&#8221; max_width=&#8221;89%&#8221; max_width_tablet=&#8221;80%&#8221; max_width_phone=&#8221;&#8221; max_width_last_edited=&#8221;on|desktop&#8221; custom_padding=&#8221;0|0px|1px|0px|false|false&#8221; make_fullwidth=&#8221;on&#8221;][et_pb_column type=&#8221;4_4&#8243; _builder_version=&#8221;3.25&#8243; custom_padding=&#8221;|||&#8221; custom_padding__hover=&#8221;|||&#8221;][et_pb_text _builder_version=&#8221;3.27.4&#8243; text_font=&#8221;||||||||&#8221; text_font_size=&#8221;16px&#8221;]<\/p>\n<h3>Anmerkungen:<\/h3>\n<p class=\"align-justify\">(1)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Diesbez\u00fcglich halte ich die Erfahrung, die ich an mir selbst gemacht und an viele meiner Sch\u00fcler mit Erfolg weitergegeben habe, f\u00fcr sehr wichtig. In Passagen, in denen die Spr\u00fcnge den h\u00f6chsten Schwierigkeitsgrad erreichen (wenn der Verstand also handeln muss und nahezu simultan eine Aktion in Bereichen der Tastatur koordiniert, die weit voneinander entfernt sind), besteht die beste Herangehensweise darin, den eigenen Willen, die Tasten zu treffen, zu neutralisieren und stattdessen die gesamte Energie auf das innere Visualisieren des Tastaturaufbaus zu lenken und auf die Abfolge, die wir ausf\u00fchren wollen.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Daraufhin geschieht etwas \u00e4hnliches, wie das, was Herrigel in seinem Buch beschreibt, wonach man den Eindruck hat, die Tasten w\u00fcrden uns entgegen kommen, so wie der Bogen, wenn er in unserem Geist mit h\u00f6chster Konzentration materialisiert w\u00fcrde, dem Pfeil entgegenkommt. (Um vor allem nicht zu vergessen, etwas n\u00fcchterner formuliert, dass solches \u00dcben\u00a0 eine enorme Bereicherung im Bezug auf die Gelassenheit, die Aufmerksamkeit und das Einsparen an Energie bedeutet; alles Faktoren, die dazu beitragen, besser Klavier zu spielen und den Weg f\u00fcr weitere Entwicklungsschritte zu \u00f6ffnen).<\/p>\n<p class=\"align-justify\">(2)\u00a0\u00a0\u00a0 Ein Beweis f\u00fcr ihre G\u00fcltigkeit ist meines Erachtens die Tatsache, dass diese Prinzipien, wenn man sie einmal verinnerlicht hat und sie wirklich Teil von uns geworden sind, keinerlei H\u00fcrden bilden, verschiedene Erfahrungen zu sammeln und auf Vorschriften von Schulen angewendet zu werden, die v\u00f6llig gegens\u00e4tzlich zu ihnen sind. Eine diesbez\u00fcgliche Erleuchtung war mir der Besuch von Franco Gei, Sch\u00fcler und langj\u00e4hriger Freund von Arturo Benedetti Michelangeli und H\u00fcter seiner Lehren. Schon der Vergleich der nahezu gegens\u00e4tzlichen Herangehensweisen, die Vitale und Michelangeli gegen\u00fcber der Technik des cantabile hatten (zu erzielen einzig und allein durch das Gewicht \u2013 \u00fcbertragen durch eine fast sofortige Aktion, die Artikulation ausschlie\u00dfend \u2013 nach der Ersten; einer lockeren Artikulation und dem Druck des Fingers \u00fcberlassen, bisweilen fast flach, nach der Zweiten), regt zu einer Reihe von sehr interessanten \u00dcberlegungen an, sowohl \u00fcber die physiologischen Reaktionen als auch die verschiedensten psychologischen, die man erzielt, wenn man sich der einen oder anderen \u00dcberzeugung zuwendet und den Tausenden M\u00f6glichkeiten, die das Zusammenwirken beider anbieten kann.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Und in Bezug darauf, keine Scheu zu haben, sich immer zu hinterfragen, und auch von der Anwesenheit des eigenen Lehrers zu profitieren, von Kollegen, mit denen man sich auseinandersetzen kann oder vom Publikum (Vitale sagte immer, dass der wahre Unterricht die B\u00fchne sei \u2013 also das Spielen vor Publikum), bin ich mehr und mehr davon \u00fcberzeugt, dass jede Lektion ein \u201eheftiges Sch\u00fctteln\u201c darstellen m\u00fcsste, wie an einem Baum, bei dem daraufhin nur die gr\u00fcnen Bl\u00e4tter, die lebendigen, in denen der Lebenssaft zirkuliert, an den \u00c4sten h\u00e4ngen bleiben. Die anderen nicht und das ist Gl\u00fcck, denn auf diese Weise dringt mehr Licht hindurch, das die Sicht erhellen und das Wachstum n\u00e4hren wird.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">(3)\u00a0\u00a0\u00a0 Ich habe oft beobachtet, dass f\u00fcr viele Sch\u00fcler das \u00dcben einer Passage vor allem hie\u00df, sie zu wiederholen. Nun bringt aber die pure Wiederholung nicht zwangsl\u00e4ufig Verbesserungen mit sich, auch weil man auf diese Art riskiert, ebenfalls die Fehler zu wiederholen und somit sogar zu festigen.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Ein Pianist, der besorgt ist, weil die Passage nicht recht gelingen will, und der daraufhin auf diese Weise \u00fcbt, erinnert mich an einen Landwirt, der besorgt ist, weil seine Saat nicht aufgeht, und der daraufhin auf seinem Feld hin- und herl\u00e4uft und ein ums andere Mal seine Spuren hartn\u00e4ckig einstampft. Das wahrscheinliche Resultat wird die Verh\u00e4rtung sein, eine Verfestigung des Bodens, der darauf noch weniger fruchtbar sein wird, und noch weniger Ertr\u00e4ge als vorher bringen wird. Stattdessen muss man ein System finden, ihn zu pfl\u00fcgen, also die Gewohnheiten abkratzen, auflockern, Luft holen lassen, von den Abfolgen festgefahrener und veralteter Bewegungen. Eine der Methoden, um das zu tun, besteht aus rhythmischen Varianten, sehr wirkungsvoll, vorausgesetzt, sie werden mit der Kenntnis des Verfahrens angewandt. Daher muss es zu jeder Variante auch ihr Gegenteil geben (eine Angelegenheit, auf der Vitale besonders bestand), was bedeutet, dass auf den punktierten Rhythmus sein Gegenteil folgen muss, und der Variante, in der man auf dem ersten Ton jeder Quartole pausiert, muss die mit der Fermate auf dem zweiten Ton, auf dem dritten, dem vierten usw., folgen.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Es ist au\u00dferdem wesentlich, zu begreifen, warum die Varianten hilfreich sind und sie dadurch in ihrer Wirkung zu optimieren. Die Varianten dienen dem Wachr\u00fctteln der Fingert\u00e4tigkeit und der Kontrolle, dass sie nicht vom f\u00e4lschlichen Anspannen\u00a0 anderer Muskeln begleitet ist. Es w\u00e4re nat\u00fcrlich schwieriger, eine schnelle Passage zu spielen, so wie es beschrieben ist. Die Varianten erm\u00f6glichen uns jedoch, alle vier T\u00f6ne einen zu kontrollieren (wie im oben genannten Beispiel), unseren Willen und unsere Handlung auf diesen Ton zu konzentrieren, w\u00e4hrend wir f\u00fcr den Moment die anderen vernachl\u00e4ssigen, um uns dann, \u00fcber die nachfolgenden Varianten, jedem Ton im Wechsel zuzuwenden. Es ist also sehr wichtig, dass diese wirksame Kontrolle von einem ja und drei nicht (um immer noch beim o. g. Beispiel der Quartolen zu bleiben), einem realen Unterschied entspricht, im Tastenanschlag, in der Artikulation und in der Energie des Fingers, zwischen dem Ton, auf dem er pausiert und den anderen, die hingegen mit kleinster Anstrengung gespielt, fast \u00fcbergangen werden.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Ich versuche immer sicherzustellen, dass die Sch\u00fcler in der Lage sind, den Tastenanschlag in \u00dcbungen dieser Art, wann immer es m\u00f6glich ist, zu unterscheiden, weil ich davon \u00fcberzeugt bin, dass wir, indem wir Unterschiede schaffen und sie uns bewusst machen, also unser Vorgehen auff\u00e4chern, dahin gelangen, R\u00e4ume zu schaffen, in deren Innerem sich unser Potenzial ausbreiten kann.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">(4)\u00a0\u00a0\u00a0 Eine interessante Beobachtung in diesem Zusammenhang betrifft einige Erfahrungen von Biofeedback auf die Herzkoh\u00e4renz, die w\u00e4hrend der letzten Jahre in den Vereinigten Staaten gemacht wurden. Da die Frequenz des Pulsschlags nicht konstant ist, nicht einmal wenn sich der K\u00f6rper im Zustand der Ruhe befindet, sondern vielmehr stets einer Sinuskurve folgt, die Beschleunigung und Verlangsamung mit sich bringt, wurde festgestellt, dass es m\u00f6glich ist, wenn diese Sinuskurve auf einem Monitor dargestellt wird, den die Testperson in Echtzeit beobachtet, dass diese lernen kann, den Verlauf der Kurve zu beeinflussen und ihn allm\u00e4hlich zu regulieren. Sich diese F\u00e4higkeit anzueignen, hat eine erfrischende Wirkung auf die Stimmung, auf das psycho-physische Gleichgewicht und soll ein ausgezeichnetes Heilmittel gegen Depressionen sein. Die Erfahrung zeigt uns folglich, dass wir Rezeptoren besitzen, die f\u00e4hig sind, eine Art inneren Rhythmus zu empfangen, der von den meisten Menschen nicht beachtet wird, der aber eine betr\u00e4chtliche Wirkung auf ihr Wohlbefinden hat.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Stellen wir uns jetzt eine Hyperstimulation vor, die derartige Rezeptoren in der Gegenwart eines exogenen Reizes ertragen m\u00fcssen, z. B. den obsessiven und h\u00e4mmernden Rhythmus einer Techno-Musik, oder jeder beliebigen Beanspruchung durch sehr hohe Lautst\u00e4rken, denen wir in einer Diskothek ausgesetzt sind.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Es ist mehr als ersichtlich, dass Reize von dieser Intensit\u00e4t &#8211; noch vor dem Geh\u00f6rsystem desjenigen, der es ertr\u00e4gt \u2013 diese sehr empfindlichen Rezeptoren taub machen, die daraufhin immer st\u00e4rkere Beanspruchung brauchen, um nicht in Hypotonie zu geraten.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Wenn wir an den Wirkmechanismus einer typischen Droge denken, die in der Lage ist, eine Abh\u00e4ngigkeit hervorzurufen (z. B. Kokain), stellen wir fest, dass es sich um eine exogene Substanz handelt, die die Rezeptoren, die auf endogene Substanzen ausgerichtet sind (in dem Fall das Dopamin), hyperstimuliert und sie damit letzterem gegen\u00fcber unempfindlich macht, und in der Folge immer abh\u00e4ngiger von der Droge, um Entzugserscheinungen zu vermeiden, bzw. eine induzierte Hypotonie.<\/p>\n<p class=\"align-justify\">Der Mechanismus ist demnach genau derselbe. Man muss sich fragen, warum weder das Gesetz noch die allgemeine Moral die Bildung einer solchen Abh\u00e4ngigkeit erkennt oder verbietet, obwohl diese Sch\u00e4den hervorrufen kann, die v\u00f6llig mit denen einer schweren Droge vergleichbar sind, wenngleich nicht auf Anhieb zu erkennen&#8230;<\/p>\n<p class=\"align-right\" style=\"text-align: right;\"><i>\u00a9 Filippo Faes 2008 (\u00dcbersetzung: Katja Hofmann)<\/i><\/p>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Yoga and Piano Technique by Filippo Faes\u201eDa ist eine Lebenskraft, eine Energie, ein Impuls, die durch dich in Aktion umgewandelt wird, und weil du einzigartig in der Menschheitsgeschichte und in allen Zeitaltern bist, wird dieser Ausdruck ebenso einzigartig und unnachahmlich sein. 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